Miteinander
Wird Hundeerziehung überbewertet?
Machen wir zu viel Geschiss um Hunde?
Der Hund lebt schon seit hunderten von Jahren als „Haustier“ bei uns Menschen. Er hatte aber überwiegend eine Arbeit, einen Job zu erledigen. Er ging mit den Menschen zur Jagd, trieb oder hütete das Vieh und schützte Haus und Hof. Im Gegenzug bekam er seinen Anteil an der Beute, er bekam Futter und ein Dach über dem Kopf. Der Hund wurde sesshaft, lebte aber in der Scheune, im Zwinger oder in einer Hütte.
Im Laufe der Jahre veränderten sich unser Leben, unsere Umwelt und das Zusammenleben mit Hunden. Die Hunde eroberten unsere Herzen, unsere Wohnungen, Sofas und sogar unsere Betten.
Im Rahmen dieser Veränderungen verlor der Hund seine eigentlichen Aufgaben und wurde arbeitslos. Mit dem Einzug in unsere Wohnungen mussten natürlich auch Regeln aufgestellt und eingehalten werden. Es wurde wichtig, den Hund zu verstehen! Womit wir beim Thema (der Erziehung von Hunden) angekommen wären.
Da Mensch und Hund nicht eine Sprache sprechen, erleichtert es die Kommunikation miteinander ungemein, wenn Hund und Hundeführer sich in Anlehnung an die Hundesprache eine dritte „Sprache“ erarbeiten.
Das gilt für alle Rassen!
Zu Beginn ist eine deutliche, fast übertriebene Körpersprache extrem wichtig. Diese erleichtert dem Hund uns zu verstehen. Im Laufe der Zeit reichen kurze, unauffällige Handbewegungen und Signale völlig aus.
Die zunehmende Vermenschlichung der Hunde bringt zahlreiche Probleme und Mißverständnisse mit sich!
Zunächst sollte man versuchen, sich in eine Hundewelt hineinzudenken.
Das unterscheidet uns schon mal vom Hund.
Uns, (zumindest einigen) ist diese Fähigkeit gegeben.
Wie sehen und riechen Hunde, was empfinden sie bei der Trennung von Mutter und Geschwistern, neue Umgebung, was sind ihre genetischen Anlagen (Wachen, Hüten, Jagen), wie reagieren sie auf Stress, wie wichtig sind Nahrung, soziale Kontakte, wie sind sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der Lage zu lernen und auf ihre Umwelt zu reagieren, wie kommunizieren Hunde untereinander!?
Wir neigen dazu, ein „Fehlverhalten“ unserer Hunde als einfachen Ungehorsam zu betrachten.
Was ist „Fehlverhalten“? Nur unerwünschtes Verhalten durch mangelnde Erziehung, oder eine Verhaltensstörung?!
Das ist ein großer Unterschied!
Dabei darf man nie vergessen, dass der Hund unsere Welt völlig anders wahrnimmt. Vielleicht verwirren ihn Geräusche oder Gerüche, die wir gar nicht wahrnehmen können. Vielleicht reagiert er instinktiv mit seinem vermeintlichen „Fehlverhalten“ auf Reize. Er hat also gar keine andere Wahl, als diese Reize augenblicklich zu beantworten.
Ich möchte damit nicht generellen Ungehorsam entschuldigen. Geübte Rituale, Signale oder Befehle müssen natürlich unter allen Umständen abrufbar sein.
Trotzdem sollte man regelmäßig sein Verhalten als Hundeführer reflektieren und sich bewusst sein, was man gerade von seinem Hund verlangt.
„Verlange nichts, was Du nicht durchsetzen kannst oder selber bereit wärst zu tun.“ (Zu große Ablenkung bei schlechtem Trainingsstand/ Kurzhaarhunde beim Apportieren aus eisigem Wasser oder Dornen/ zu schwere Apportel beim Überspringen von Hindernissen.)
Wenn man weiß, wie Hunde ihre Umwelt wahrnehmen, kommunizieren und lernen, kann man langfristig erfolgreich üben, trainieren, erziehen, mit ihnen zusammenleben und die Mensch/Hundbeziehung pflegen.
Am leichtesten funktioniert dass, wenn man sich zum Teil der „Hundesprache“ bedient und rudelähnliche Strukturen mit einer Rangordnung und festen Regeln aufstellt und einhält.
Die Anlehnung an menschliche Sprache, Ansprüche oder Verhaltensweisen verunsichern den Hund.
Unsere menschlichen Regeln/Familienverbände sind dem Hund fremd (aber erlernbar), die Struktur eines Sozialverbandes oder Rudels jedoch sehr vertraut.
Dies erklärt sich aus seiner Abstammung, (Wolf): Um einem Hund also ein Gefühl der Zufriedenheit, Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln braucht auch eine Mensch/Hundbeziehung eine klare Rangordnung mit festen Regeln.
Dies ist nicht zu verwechseln mit Strenge oder Härte! Diese haben in der Erziehung von Hunden nichts zu suchen!
Es geht vielmehr um Genauigkeit, Eindeutigkeit und Konsequenz!
Ein Sozialverband oder Rudel braucht einen Rudelführer/ein Leittier. In unserem Falle müssen wir also diese Position einnehmen. Hat der Hund erst mal bemerkt, dass wir dieser Rolle nicht gewachsen sind, wird er diese Position einnehmen. Das hat nichts damit zu tun, dass der Hund nur darauf gewartet hat, uns vom Thron zu schubsen und die Weltherrschaft zu übernehmen, sondern er sieht sich einfach gezwungen, die Führung zu übernehmen. Ansonsten wäre das "Rudel" ja führerlos.
Aber nicht jeder Hund ist zum Alphatier geboren!
Natürlich gibt es die selbstbewussten, übermütigen, die bei der geringsten Unsicherheit ihres Hundeführers glauben, es besser zu können.
Es gibt aber auch die weniger selbstbewussten /unsicheren Hunde, die aus der Not heraus die Führung übernehmen und damit völlig überfordert sind. Diese Hunde fallen nicht selten als scheinattackierende Kläffer oder Angstbeißer auf.
In beiden Fällen ist es also wichtig, dass wir das „Alphatier“ sind. Wir sind die „Hundeführer“ und führen unsere Hunde im wahrsten Sinne des Wortes durchs Leben. Egal ob wir einen mutigen oder unsicheren Hund an der Leine führen.
Der Mutige wird gebremst, der unsichere souverän durch alle Lebenslagen geführt. Wir treffen alle Entscheidungen, bestimmen den Weg, das Ziel und das Tempo.
Viele unserer Hunde sind gar nicht mehr in der Lage, Leittier zu sein. Durch die Domestikation oder auch die Kastration behalten viele Hunde einen juvenilen Status. Sie werden gar nicht reif und erwachsen.
Je konsequenter wir die Führung übernehmen, umso weniger wird der Hund versuchen zu diskutieren und sich unterordnen.
Unterordnung hat demnach auch nichts mit Druck, Angst oder Härte zu tun, sondern mit emotionaler Stärke und Souveränität.
Hunde denken nicht permanent über die Welteroberung nach. Sie fühlen sich in klaren Strukturen wohl und finden ihren Platz in dieser Gruppe.
In meinen Augen kann man Erziehung gar nicht überbewerten!
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