Erziehung / Grundgehorsam
Unser persönliches Erfolgsrezept: (für alle Rassen/ nicht nur für Jagdhunde!)
Niemals vor dem Üben füttern.
Während eines intensiven Trainingszeitraumes ausschließlich aus der Hand füttern, oder über das Apportieren aus dem Futterbeutel (gemeinsam Beute machen/Teamarbeit).
Wenig reden – deutliche Körpersprache, Hunde lernen in Bildern!
Binärsystem anwenden.
Reizarme, dem Trainingsstand angepasste Umgebung auswählen.
Übungen wie z.B. Schau, Bleib, Nein, Pfeifen-Konditionierung usw.
Den Hund zur Ruhe und Gelassenheit erziehen und nicht vermenschlichen.
Nicht in Grüppchen spazieren gehen zum Üben. Hund und Halter sind dann zu abgelenkt!
Trotzdem immer wieder Hundefreilaufflächen aufsuchen/Sozialkontakte ermöglichen.
Gar nicht erst anfangen zu üben wenn man müde, erschöpft oder verärgert ist.
Mit leichten Sachen beginnen und die Schwierigkeit nur langsam steigern. Will man zu viel, hat man keine Erfolgserlebnisse mehr und ist schnell frustriert. Hund und Halter sollten sich immer auf das nächste Mal freuen.
Übungen immer positiv beenden, wenn es gerade am schönsten ist und gut geklappt hat.
Hat etwas nicht geklappt sollte man unbedingt noch eine leichte Übung mit einem Erfolgserlebnis zum Abschluss machen.
Manchmal funktioniert eine Übung nicht besonders gut. Dann haben wir ein paar Wochen oder Monate gewartet und es noch mal probiert und festgestellt, dass der Hund damals einfach noch nicht so weit war. Manche Dinge brauchen einfach ein bisschen Zeit oder setzen eine gewisse Reife beim Hund voraus.
Nicht mit Druck oder Zwang arbeiten.
Viele Hunde haben einen „will to please“, man muss ihn nur wecken.
Die Hunde sollen alles freiwillig und gerne machen (sie „dürfen“ mitarbeiten), wir müssen es ihnen nur richtig beibringen.
Sich unterzuordnen bedeutet für den Hund: Futter, Spiel, Erfolgserlebnisse, Freiheiten und eine enge soziale Bindung!
Wir haben unsere Hunde immer wieder unter für uns kontrollierbare Bedingungen bewusst in Konfliktsituationen gebracht, damit der Hund diese Konflikte ohne große Ablenkung lösen konnte.
Manchmal durch Versuch und Irrtum, manchmal durch die Einhaltung von klaren Regeln.
Diese Vorgehensweise bei der Hundeerziehung war für uns perfekt.
Ich schaffe geeignete Voraussetzungen, ahne wie mein Hund vermutlich reagieren wird und kann meinerseits vorausschauend, entspannt, ruhig, vor allem aber richtig und punktgenau loben oder maßregeln.
Im Alltag sind Hund und Halter oft abgelenkt, gestresst, von Situationen oder Reaktionen überrascht und überfordert, was oft dazu führt, dass man vielleicht falsch oder nicht eindeutig reagiert. Das verwirrt den Hund und macht ihm das lernen und abspeichern für die Zukunft schwer.
Unter von mir kontrollierten Bedingungen jedoch habe ich mir eindeutige Vorteile verschafft, die mir eine souveräne Reaktion ermöglichen.
Dadurch lernt und verknüpft der Hund blitzschnell. Es bedarf oft nur ein paar Wiederholungen, bis der Hund verstanden und man feste Absprachen (Mensch/Hund) getroffen hat. Dann muss allerdings noch weiterhin ganz fleißig geübt werden, damit diese Absprachen nicht mehr in Frage gestellt werden und auch unter großer Ablenkung abrufbar sind.
Ohne Fleiß, kein Preis!!!!
Wichtig ist ein ruhiges, überlegenes und souveränes Auftreten.
Kein Gezerre an der Leine (im besten Fall von beiden Seiten!)
Kein Kräftemessen, - dabei können wir nur verlieren!
Geduld und Abwarten sind wichtiger als ein penetrantes Einfordern: „Sitz, - ich hab` dir gesagt du sollst sitz machen, - machst du jetzt endlich sitz, - Freundchen, wenn du jetzt nicht sitz machst, dann…….!“
Wir können von unseren Hunden nur das verlangen was wir ihnen beigebracht haben!!!!
Wir müssen unsere Hunde vom ersten Tag an konsequent erziehen, nicht erst wenn er 1Jahr oder älter ist!
Genausowenig muss man sich wundern, dass ein 15 jähriger, gesunder Junge noch nicht mit Messer und Gabel essen kann, wenn er es vorher nicht gelernt hat und keine entsprechenden Vorbilder hatte! Woher sollte er es können??
Auch unsere Hunde scheinen mir leider sehr oft ein Spiegelbild Ihrer Hundehalter und unserer Gesellschaft zu sein!
Gerade bei Welpen sollte mir bewusst sein, dass man mir einen Rohdiamanten anvertraut hat, den es zu schleifen gilt! Spätestens wenn sich aus einem putzigen, hilflosen und freundlichen Geschöpf ein ungehobelter, unerzogener, aggressiver Prolet entwickelt hat, muss ich mir die Frage stellen, was ich falsch gemacht habe! Hunde werden nicht einfach von alleine so! Wir machen sie dazu! Solche Hunde wurden einfach nicht auf ein Leben in unserer Menschenwelt vorbereitet!
Würde man das bei seinen Kindern zulassen?????
An dieser Stelle aber, belügen sich viele Hundehalter selber! Sie verstecken sich hinter zurecht gelegten Ausreden, wie: „Labbi`s kann man das Hochspringen nicht abgewöhnen, - Cockerspaniel sind ganz schwer zu erziehen, deshalb muss er immer an der Leine bleiben, - Boxer sind an der Leine immer aggressiv, - Schäferhunde apportieren grundsätzlich nicht!“ Diese Sorte Hundehalter ist immer fest davon überzeugt, dass ausgerechnet ihre Rasse besonders schwer erziehbar oder der eigene Hund ein Erbsenhirn sei. Alle anderen Hundehalter hatten es natürlich von Anfang an viel leichter oder haben eine besonders lernfähige Rasse erwischt.
Hallo???? Das ist alles eine Frage der Erziehung, der Ausdauer und Mühe die man sich gibt!!!! Keiner hat je behauptet, dass Hundeerziehung ein Kinderspiel sei!
Auch mit älteren Hunden kann man noch viel üben und die ein oder andere Marotte in den Griff bekommen. Alte Hunde können noch viel lernen und sind mit viel Spaß und großem Engagement beim Seniorentraining bei der Sache. Sie werden oft unterschätzt und zu wenig ihrem Alter entsprechend ausgelastet! Obwohl sie der optimale Start zum Lernen für Ersthundebesitzer oder Kinder sind. Mit der Ausgeglichenheit eines älteren Hundes kann man entspannt in seine Rolle als Hundehalter hineinwachsen und von ihm lernen, ohne als Unwissender gleich im Welpenwahnsinn und Chaos zu versinken.
Wenn ein Hund erst mal gut erzogen ist, kann man durchaus Regeln und Grenzen verschieben oder Rituale verändern, ohne gleich inkonsequent zu sein. Regeln müssen nicht starr sein! Der Hund muss nicht ein Leben lang aus der Hand gefüttert oder mit Leckerchen vollgestopft werden.Man muss nicht ein lebenlang einen körpersprachlichen Affentanz veranstalten. Fütterungsrituale oder Liegestellen (Sofa/Bett) können durchaus variieren, vorausgesetzt, dass der Hund sich an die getroffenen Absprachen hält. Je gehorsamer er ist umso mehr Freiheiten kann man ihm gewähren! Für die ganze Familie kann Erziehung so schön sein, Spaß machen und die Früchte können dann gemeinsam geerntet werden: nämlich die Gehorsamkeit eines glücklichen Hundes!
Diese „ Methoden“ sind natürlich nur grobe Richtlinien und keine exakte, individuelle Praxisanleitung!
Jedes Mensch/Hundeteam ist individuell zu bewerten und anzuleiten! Es ist sinnvoll, sich von einem Außenstehenden immer wieder beobachten und korrigieren zu lassen, da sich schnell Fehler und Ungenauigkeiten einschleichen. Unsere Übungen sind als Grundbausteine zu betrachten, wie kleine Mosaiksteinchen, die irgendwann zusammengesetzt ein harmonisches Bild ergeben. Jedes unerwünschte Verhalten (Jagen, schlechte Leinenführigkeit, Aggression, Bellen, Hochspringen, ja sogar Angst), können mit Hilfe dieser und anderer Übungen in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Es muss sich dabei natürlich um realistische Ziele handeln! Man kann z.B. das Jagen nicht mit einer bestimmten Übung einfach so abstellen oder aus einem ängstlichen Hund einen breitbeinig laufenden Cowboy machen! Diese Annahme wäre unrealistisch!
Wir werden oft, nach ganz einfachen und gezielten Übungen gefragt, um dem Hund dies oder das abzugewöhnen. Manchmal geht das, aber meistens ist das nicht so einfach, wie der Mensch es gerne hätte. Es macht oft keinen Sinn, sich eine Übung herauszupicken und zu üben, weil Lernen und Verhalten (Erziehung/Gehorsam) immer etwas mit Bindung, Beziehung, Vertrauen, Unterordnung und dem Führungsanspruch des Hundehalters zu tun haben. Um unerwünschtes Verhalten zu korrigieren, muss man manchmal Umwege machen! Erst wenn man die Beziehung zueinander in geordnete Bahnen gelenkt hat, kann man beginnen an dem eigentlichen Problem zu arbeiten!
Einen Punkt sollte man aus meiner Sicht bei der Hundeerziehung noch gesondert betrachten: die Angst!
Durch Angst erzeugtes Fehlverhalten, ist die denkbar schlechteste Ausgangssituation zum Üben.
Hier braucht man enorm viel Fingerspitzengefühl, Geduld, eine gute Beobachtungsgabe und eine gesunde Selbsteinschätzung!
Kann ich einen unsicheren Hund souverän führen??? Sowenig Stress wie möglich/soviel Stress wie nötig!
Schätze ich den Hund richtig ein? - Ist er aggressiv, weil er unerzogen ist oder weil er Angst hat???
Mit einem unsicheren Hundehalter wird ein ängstlicher Hund ein Leben lang Angst haben, während derselbe Hund bei einem souveränen Hundeführer, seine Ängste abbauen kann und durch Vertrauen lernt sich zu entspannen!
Schon die Auswahl des zukünftigen Hundes ist in meinen Augen eine große Verantwortung! Darüber sollte man sich beim Besuch des Züchters oder dem Gang durch ein Tierheim bewusst sein. Mitleidskäufe werden der Situation der Tiere oft nicht gerecht, sie kommen vom Regen in die Traufe.
Wer will schon ein Leben voller Ängste???