Kommunikation
Warum man sich unbedingt als Hundeführer mit diesem Thema beschäftigen sollte!
Wenn ich mir ein Auto kaufe, muss ich mich auch mit dem Fahrverhalten des Autos auseinandersetzen. Ich muss wissen wo die Knöpfchen und Hebel sind und welche Funktion sie haben.
Wenn ich auf die Bremse trete, möchte ich schließlich das das Fahrzeug bremst und nicht, dass die Fensterscheiben automatisch runterfahren, oder die Klimaanlage angeht!
Stellt Euch mal dieses Chaos vor!!!
Einen Hund (Lebewesen) kauft man sich einfach, ohne sich vorher eingehend damit zu beschäftigen oder ihn zu verstehen!
Man erwartet einfach, dass er mit ein bischen Sitz und Platz funktioniert. Er soll instinktiv wissen, was richtig und falsch ist und wie wir es im Einzelfall gerne hätten.
Man drückt wahllos auf den „Knöpfchen“ herum (probiert mal dies mal das) und wundert sich über die Reaktionen!
Ist Kommunikation wichtig für Hunde?
JA!!!
- Hunde sind hochsoziale Tiere
- Sie benötigen unbedingt Kontakt zu Mensch und Tier
- Isolation verstößt gegen das Tierschutzgesetz
- Hunde die keine typische Kommunikation gelernt haben, zeigen in der Regel
auffälliges Verhalten und kommen deutlich schlechter in unserer Welt zurecht, als
sozial- und umweltverträgliche Hunde.
- nicht erlernte Kommunikation bedeutet Stress für Mensch und Hund
- Kommunikation muss erlernt und geübt werden
Wie kommunizieren Hunde?
Über Stimme und vor allem die Körpersprache.
(Ohrenstellung, Augen, Nasenrücken, Lefzen, Nackenfell, Position der Rute)
- Hunde laufen fast nie frontal aufeinander zu, sie nähern sich eher umkreisend/seitlich
- Sie vermeiden direkten Blickkontakt
- Direkter Blickkontakt bedeutet: drohen/fixieren
-Wedeln mit der Rute = Erregung (kann positiv oder negativ sein)
- Hunde beschnuppern sich (Analdrüsensekret enthält wichtige Informationen)
- Drohgebärden (Nase kräuseln, Zähne zeigen, knurren, Nackenfell sträuben)
- Individualdistanz (nicht jeder Hund mag stürmische Begrüßungen oder aufdringliche
Hunde, die einem am Rockzipfel hängen / besonders alte oder unsichere Hunde!)
Oft wird aus Unwissenheit, Drohverhalten mit Aggression verwechselt!
Es kommt immer wieder vor, dass zu früh und vor allem zum falschen Zeitpunkt vom Hundehalter eingegriffen wird. Dabei ist es doch gut, wenn ein Hund ein Drohverhalten zeigt. Er warnt sein Gegenüber und gibt ihm die Zeit und die Chance, sein bisheriges Verhalten zu unterlassen.
(Nicht zu verwechseln mit dem lapidaren Ratschlag ahnungsloser Hundehalter: "Man muss sich da nur raushalten, die regeln das schon unter sich!")
Man muss lernen, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Situation einzugreifen.
Dann lernen alle etwas daraus. Der Stärkere und der Schwächere.
Der Stärkere wird gemaßregelt und bekommt vom Hundeführer Grenzen gesetzt, die er zukünftig lernt zu akzeptieren. Der Schwächere bekommt das Gefühl von Sicherheit: "Der Mensch regelt kritische Situationen für mich". Er lernt seinem Hundeführer zu vertrauen und sich an ihm zu orientieren.
Eingreifen mit Sinn und Verstand!
Jeder hat seinem Hund und auch dem anderen gegenüber eine Fürsorgepflicht.
Beim Beobachten zweier kommunizierender Hunde spielen eine Menge Faktoren gleichzeitig eine große Rolle:
- Geschlecht, Alter (Gemüt), Hormonhaushalt (kastriert?), Körpersprache
Probleme bei der Kommunikation unterschiedlicher Rassen!
Kaum zu glauben!
Zum heutigen Stand der Wissenschaft, stammen alle unsere Haushunde vom Wolf ab. Bei einigen kann man das auch noch sehr gut erkennen. Bei anderen braucht man allerdings schon viel Phantasie. Diese zum Teil enormen optischen Unterschiede, machen es unseren Hunden oft nicht leicht, die anderen Hunde richtig einzuschätzen.
- Haare vor den Augen (Bobtail)
- einen Ridge auf dem Rücken (Ridgeback)
- gekräuselte/flache Nase (Boxer, Bulldogge)
- röcheln beim Atmen (Mops)
- fehlende oder kupierte Rute (Rottweiler, Dobermann)
Umso mehr, sollten wir unseren Hunden ermöglichen, all diese Rassen, Mischlinge, Dreibeinige, Einäugige, Blinde, Gehörlose, Alte und Junge Hunde frühzeitig kennen- und mit ihnen umgehen zu lernen.
Wo und wie lernen Hunde Kommunikation?
Das Lernen/die Prägung, beginnt bereits in der Gebärmutter.
Die Hormone und das Gemüt der trächtigen Hündin übertragen sich bereits auf die Welpen. Ist die Mutter ausgeglichen, umwelt- und sozialverträglich, ist das die beste Ausgangssituation.
(Also, unbedingt die Eltern anschauen!)
Wenn die Welpen zur Welt kommen, lernen sie von der Mutter, den Wurfgeschwistern
und der Züchterfamilie.
Sie werden umsorgt, gepflegt, gemaßregelt und erwerben beim Spielen eine „Beißhemmung“.
Das heißt: sie lernen spielerisch, wie weit sie bei anderen gehen können. Wird einer zu grob oder aufdringlich, wird das Spiel sofort beendet. Die Menschen/Familie müssen diese „Beißhemmung“ ebenfalls fördern, da Menschen eine andere Schmerzgrenze haben als Hunde.
Nach ca. 9 Wochen, wird dieses erlernte Verhalten zunächst in der neuen Familie, in der Welpengruppe und auf Hundefreilaufwiesen (mit souveränen gut erzogenen Hunden) gefestigt.
Möglichst nicht in pubertären, rüpeligen Junghundegruppen!
Der Kontakt zu anderen Hunden (besonders in dieser Zeit) ist enorm wichtig, da wir Menschen nicht über Möglichkeiten verfügen, ihnen diese Lektionen zu erteilen.
Wir können dem Hund eine Menge beibringen und mit ihm spielen. Das ersetzt aber auf keinen Fall, dass Spielen, Kommunizieren, Rennen oder Raufen mit anderen Hunden!
Diese Entwicklung ist auch für uns extrem wichtig!!
Keiner von uns möchte einen ungehorsamen, randalierenden Hund an der Leine!
Keiner möchte stundenlang am Waldrand auf seinen jagenden Hund warten!
Keiner möchte von anderen Mitmenschen Vorwürfe oder Beschimpfungen hören!
Keiner möchte andauernd die Tierarztrechnungen und Reinigungskosten anderer Leute bezahlen!
Das sind nämlich nicht selten die Folgen mangelnder Erziehung und nicht erlernter Kommunikation!
Haben unsere Hunde nicht gelernt mit anderen Hunden und uns zu kommunizieren, entstehen zwangsläufig immer wieder dieselben unangenehmen Situationen, in denen Hund und Halter extrem gestresst sind.
Zuerst versucht man diesen Situationen aus dem Weg zu gehen (was aber auf Dauer nicht gelingt), bis der Leidensdruck zu groß wird. Der immer wiederkehrende Stress ist bereits ritualisiert. Bei Hund und Halter.
Man fragt sich, warum tut er das? Warum flippt er so aus? Was hat er denn? Das hat er doch am Anfang nicht gemacht!
Ganz einfach: er kennt keine Regeln und Grenzen und er hat nicht gelernt zu kommunizieren!!
Dann beginnt man symptomatisch zu „behandeln“. Die Ursache vieler unerwünschter Verhaltensweisen, liegt aber zu diesem Zeitpunkt bereits schon lange zurück.
Man kann diesen Problemen vorbeugen und vom ersten Tag an mit der Erziehung beginnen. Dem Hund Grenzen setzen und penibel auf deren Einhaltung bestehen. Auch wenn der kleine noch so putzig ist! (Ruck Zuck ist er gar nicht mehr so putzig, sondern unerzogen oder aggressiv). Man muss seine Beschützerinstinkte hinten anstellen. Welpen und kleine Hunde nicht auf den Arm nehmen, nur zwischen den Beinen Schutz gewähren und andere Hunde wegschubsen. Hunde dürfen auch mal schlechte Erfahrungen machen. Lernen durch ausprobieren, durch Versuch und Irrtum! Große/schwere, mutige und überlegene Hunde müssen mal ausgebremst werden, kleine Ängstliche müssen auch mal Stress und Konfrontation ertragen oder selbstständig meistern. Wohl dosiert! Jeder Hundeführer muss auf seinen Hund achten und ggf. eingreifen um andere zu schützen, auch im "Spiel".
Jeder trägt Verantwortung und muss seinen Hund unter Kontrolle haben auch wenn er noch so klein ist!
Wie kann ich mit meinem Hund kommunizieren?
Stellt Dir vor, Du machst Urlaub in China, Du hast Dich verlaufen und fragst einen Chinesen nach dem Weg.
Du sprichst kein chinesisch, er kein deutsch.
Er versucht Dir den Weg in seiner Sprache zu erklären, aber Du verstehst kein Wort!
Würdest Du ihn besser verstehen, wenn er Dich anbrüllt oder grob wird?
Wohl kaum!
Erst wenn ihr beginnt, euch einer „dritten Sprache“ zu bedienen, habt ihr eine Chance!
Man probiert es mit Händen und Füßen, oder malt es auf einen Zettel.
Bei Hunden ist das ganz genau so. Wir sprechen nun mal zu Beginn unserer (Mensch/Hund) Beziehung nicht eine Sprache. Erst wenn wir uns gemeinsam eine „dritte Sprache“ erarbeiten, haben wir eine Chance uns zu verstehen.
Im Laufe der Jahre allerdings, lernt man fast wortlos mit seinem Hund zu kommunizieren. Hunde studieren unser Verhalten und reagieren so empfindlich auf unsere Mimik, Gestik, Körperhaltung und –geruch, Hormonhaushalt, Angst, Wut oder Trauer.
Faszinierend!
Wichtig!!
Man sollte immer daran denken, wie Hunde am besten und einfachsten lernen!
Worte, haben erstmal keine Bedeutung!
Hunde lernen in Bildern!
Mimik, Gestik und Körperhaltung sind extrem wichtig! Können aber im Verlauf zunehmend durch feststehende Vokabeln ersetzt werden!
Man kann sich ansatzweise der hündischen Sprache bedienen: Knurren, Fiepen, Nase kräuseln, Zähne zeigen, Drohfixieren, Blick abwenden, maßregeln.
Dazu ist es sehr wichtig, dass man weiß, wie Hunde untereinander kommunizieren!
Wie Hunde spielen oder zum Beispiel eine Hündin ihre Welpen maßregelt!
Es bedarf natürlich alles einer gewissen Erfahrung, aber: Übung macht den Meister!
Auf unsere Homepage unter der Rubrik: Literatur/DVD`s, gibt es jede menge guter Tipps.
Auch auf Hundefreilaufwiesen, kann man ungezwungene Kommunikation unter Hunden beobachten und eine Menge lernen!
Fazit:
Wenn der Hund als Welpe nicht gelernt hat, sich anzupassen, unterzuordnen, Rangordnungen und Regeln einzuhalten, mit Mensch und Hund angemessen zu spielen und zu kommunizieren, wird er es später enorm schwer haben.
Als Welpe ist er meist noch körperlich und konditionell gut zu handhaben.
Als Junghund sieht die Sache schon anders aus!
Es macht schon einen Unterschied, ob 5 Kilo an der Leine ziehen, 30 oder 50!
Manche Verhaltensweisen werden auch erst mit der Pubertät sichtbar. Z.B. Territorialverhalten (penetrantes markieren, bellen, aufreiten) oder der Jagdtrieb (als Welpe ein Lämmchen, als erwachsener Hund der Wolf im Schafspelz).
Alles Probleme, die man als stolzer Welpenbesitzer noch gar nicht überblickt. Die einem aber als Hundeführer eines ausgewachsenen Hundes das Leben zur Hölle machen können.
Diesen Problemen kann man jedoch frühzeitig gegensteuern! Durch Erziehung!
Wie erziehe ich? - Durch Kommunikation!!
Nur ein Hund der aufmerksam ist und versteht, was ich von ihm will, kann lernen unsere Welt zu verstehen, gehorsam sein und somit viele Freiheiten genießen.
Je gehorsamer ein Hund ist, umso mehr Freiheiten kann man ihm gewähren!
Es ist immer leichter einem Hund etwas völlig Neues beizubringen, als bereits ritualisiertes Fehlverhalten zu korrigieren, deshalb sollte man so früh wie möglich mit der Erziehung beginnen!!!
Aber nichts ist unmöglich. Auch Ältere Hunde, bei denen man nicht die Chance hatte, von Anfang an alles richtig zu machen, können noch viel lernen. Auch Hunde mit schlechten Erfahrungen, oder größenwahnsinnige! Es lohnt sich!
Je eher man im Welpenalter und darüber hinaus, mit der Erziehung beginnt und sich mit dem Thema Kommunikation auseinandersetzt, desto leichter und schneller wird man alle schwierigen Zeiten und Rückschläge meistern!
Und ich kann Euch versichern, diese Zeiten werden früher oder später kommen!!