Jagdhunde

  

  

Was sind Jagdhunde?

Was ist Jagdverhalten?

Wie jagen Hunde?

Leinenpflicht: sinnvoll oder Schikane?

Setz- und Brutzeit! 

 


Was sind Jagdhunde?

 


Es gibt viele unterschiedliche Rassen und Mischlinge, die ursprünglich gezüchtet wurden, um den Menschen bei der Jagd auf Wild zu unterstützen.

Auch Hunde, die heute als Familienhund angepriesen werden (Golden Retriever, Labrador), oder das Image eines „Oma-Hundes“ ertragen müssen (Pudel, West Highland Terrier), sind ausgesprochene Jagdhunde!

Da der Haushund zum heutigen Stand der Wissenschaft vom Wolf abstammt, liegt ihnen die Jagd als Erbe des Wolfes ohnehin im Blut. Der Mensch hat sich diese Eigenschaften zu nutze gemacht und durch gezielte Selektion bei der Züchtung verfeinert!

 

Dadurch kamen die unterschiedlichsten Jagdstrategien und optischen Unterschiede zustande.

So gibt es: Große und Kleine, Spur -oder Sichtjäger, Schweißhunde, Apportierhunde, Erd- oder Bauhunde, Lauf -und Meutehunde, Vorstehehunde, Stöberhunde und „Seehunde“.

Das alles, sind genetische Anlagen, um erfolgreich an Land oder zu Wasser Beute zu machen.

Ein Dackel zum Beispiel, ist klein und unerschrocken genug um in einen Kaninchen- oder Fuchsbau zu gehen. Dafür ist er als Sichtjäger in hohem Gras benachteiligt und dürfte seine Mühe haben einen Fuchs zu apportieren.

Der Terrier beispielsweise, hat den Mut eines Bären. Er läuft ins Dickicht, wo ein ausgewachsener Keiler auf ihn wartet.

Dieser Mut ist unseren Vizslas nicht gegeben. Die zeigen durch ihr Vorstehen das Wild zwar an, finden aber dass man selber hineingehen sollte wenn man sich traut.

Es gibt tatsächlich etwas, dass der Beagle noch mehr liebt als Futter. Nämlich das selbstständige stöbern nach Beute!

Der Labrador- Retriever ist vergleichsweise eine Wasserratte und ein erstklassiger Apporteur!

 

 

 

 

Was ist Jagdverhalten?

 

 

Jagdverhalten ist genetisch veranlagt!!!

Schon bei Welpen, kann man dieses Verhalten im Spiel beobachten (der Mäusesprung oder das Totschütteln von Beute)!

 

Ein Hund trifft auf einen Reiz (Bewegungs- oder Geruchsreiz) und dieser wird augenblicklich beantwortet!  

Jagen ist kein vorsätzliches Verhalten, der Hund hat keine andere Wahl, als instinktiv zu reagieren und empfindet somit auch keine Reue!

 

Jagen ist ein selbstbelohnendes Verhalten, es macht also keinen Sinn, den Hund nach einem Jagdausflug zu bestrafen, man sollte vielmehr sein zurückkommen belohnen, auch wenn man zu diesem Zeitpunkt selbst nicht in der Stimmung dafür ist.

Die einzigen Waffen des Hundehalters, diesem Verhalten entgegenzuwirken sind Aufmerksamkeit, ein guter Grundgehorsam und sinnvolle Alternativbeschäftigungen.

 

 

Jahrhunderte lang, wurden diese Verhaltensmuster in die jeweiligen Rassen hineingezüchtet.

Da sich unsere Umwelt und Gesellschaft aber verändert haben, sind viele dieser Verhaltensweisen heute nicht mehr erwünscht. Unsere Hunde sind weitgehend „arbeitslos“ geworden!

Ihre eigentlich ausgezeichneten Anlagen zum Wachen, Jagen, Schützen oder Hüten sind meistens unerwünscht und werden dann in Hundeschulen „therapiert“!

 

Früher wurde eher auf Brauchbarkeit und Gesundheit gezüchtet, heute leider eher nach Aussehen!

 

 

 

 


Wie jagen Hunde?

 


- mit der Nase

  Hunde haben je nach Rasse ca. 100 – 220Mio. Riechzellen/ der Mensch nur 5 Mio.

 

- mit den Ohren

  Hunde hören ca. 6-8 Mal besser als der Mensch, egal ob mit Steh- oder Schlappohren

 

- mit den Augen

  Hunde sind Dämmerungsseher, bis 10 m scharf, wenig Farbe, am besten Blau, reagieren            

  stark auf  Bewegung

 

 

 


Es gibt verschiedene Jagdstrategien:

 


Manche sind gezüchtet um im Rudel zu jagen, zu stöbern, zu hetzen, einzuengen und zu stellen (Beagle, Terrier).

Andere zeigen Wild lautlos an, wie Vorstehehunde (Magyar Vizsla, Pointer, Deutsch Kurzhaar, Setter usw.).

Dackel, Terrier usw. drücken das Wild aus dem Bau oder Gebüsch.

Es gibt die lautlosen Jäger und die, die bei der Hetze die anderen Hunde und den Menschen durch lautes Bellen auf der Fährte "zu Hilfe rufen" (Spurlaut).

 

 

 

 

Leinenpflicht: Sinnvoll oder Schikane?

 

 

Natürlich müssen wir unseren Hunden regelmäßigen Freilauf gewähren. Es gibt auch für uns nichts schöneres, als ihnen beim Rennen, Toben, Schwimmen oder Spielen zuzusehen.

Das sollte aber unbedingt unter der nötigen Rücksicht auf unsere Natur, Umwelt und Mitmenschen geschehen. Deshalb legen wir großen Wert, auf eine gute Erziehung und die Abrufbarkeit unter größter Ablenkung und Schwierigkeiten. Je gehorsamer ein Hund ist, umso mehr Freiheiten hat er.

 

Bei Hundehaltern setzte ich einfach mal eine allgemeine Tierliebe voraus.

Diese sollte aber auch unbedingt für unsere Wildtiere gelten. Als Hundehalter geht man doch automatisch mit offenen Augen durch den Wald und freut sich an der Vielfalt, der Tier- und Pflanzenwelt. Ich glaube nicht, dass es immer Rücksichtslosigkeit, sondern eher eine Gedanken- oder Ahnungslosigkeit ist, die viele Hundehalter an den Tag legen.

Ich muss mich und meinen Hund eben richtig einschätzen, wissen was für einen Hund ich an der Leine führe und wieweit ich ihn wirklich auch ohne, unter Kontrolle habe.

Habe ich ohne Leine nur bedingt Einfluss auf ihn, muss ich darauf achten, dass weder Mensch noch Tier zu schaden kommen oder bedrängt werden.

Es gibt immer wieder Hundehalter, die schwören, dass ihr Hund keiner Fliege was zuleide tun könnte und noch niemals gejagt hat. Das ist immer eine Sache der Sichtweise und Definition!

In jedem Hund steckt ein Jäger und Gelegenheit macht Diebe!

Diese Verhaltensweisen sind genetisch festgelegt! Alle Hunde sind Beutegreifer!

Man hört immer wieder: „Mein Hund jagt nicht, der läuft nur ein paar Meter hinterher und kommt dann gleich wieder zurück!“

Auch das ist jagen! Genauso, wie suchen, stöbern, buddeln und die Nase auf dem Boden festsaugen!

 

Da die Spaziergänge vieler Hundehalter wenig spannend und inspirativ für die Hunde sind, suchen sie sich eine Alternative. – Sie jagen!
Der Hundehalter aber sieht das nicht so, unterschätzt die Situation und freut sich über seinen schnüffelnden Hund, der meistens in dieser Verfassung kaum noch ansprechbar ist. Man trifft andere, es wird gequatscht, nicht mehr auf die Hunde geachtet, die mittlerweile eine Gruppe von Jagdspezialisten gebildet haben, die sich verselbstständigt und im Rudel jagt! Dann wird gemeinsam gerufen, gepfiffen, am Waldrand gewartet und jeder glaubt, dass der Hund des anderen zuerst gelaufen ist und Schuld hat.

„Alleine macht  meiner so etwas nie“, „ich hätte niemals gedacht, dass meiner mitläuft.“

Würde man die Hunde sinnvoll beschäftigen, anleinen wenn man selbst unaufmerksam ist oder andere Freilaufflächen aufsuchen, könnte man diese Gefahren minimieren!

 

 
Setz- und Brutzeit

 

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch mal auf die Leinenpflicht im Wald während der Setz- und Brutzeit, in einigen Bundesländern jedes Jahr vom 15.03.  bis  15.06. aufmerksam machen.

Während dieser Zeit setzten die Rehe ihre Kitze ins hohe Gras ab. Auch die Hasen legen ihren Nachwuchs in eine sogenannte Sasse, mitten auf den Wiesen oder Feldern ab. Die Gelege der heimischen Bodenbrüter (Rebhühner, Fasan usw.) sind, wie die Kitze und Hasenkinder stöbernden Hunden schutzlos ausgeliefert.

Auch wenn die Hunde die Eier nicht fressen, sind sie trotzdem dafür verantwortlich, dass die Elternvögel die Brutstelle verlassen, die Eier auskühlen oder von Mardern oder Füchsen gefressen werden.

Bei den trächtigen Rehen kann es auf der Flucht vor hetzenden Hunden durch den massiven Energieverbrauch zum absterben der Leibesfrucht kommen!

Darauf sollte man unbedingt Rücksicht nehmen!!

 

Außerdem gibt es bei der unkontrollierten Jagd der Hunde auch Gefahren für Hund und Halter.

Gerät man bei einem Waldspaziergang zwischen eine Bache (Wildschwein) und ihre Frischlinge gilt höchste Alarmstufe. Diese Tiere können enorm gefährlich werden.

Ist der Hund jedoch angeleint, hat man die Möglichkeit, sich langsam, geräuschvoll aber ohne hektische Bewegungen zu entfernen, ohne angegriffen zu werden.

Unangeleinte Hunde ohne Erfahrung am Wild, unabhängig ihrer Rasse und Körpergröße sind in Lebensgefahr!

 

 

 

 

 

Fazit

 

 

Auch wir sind nur normale Hundehalter, machen Fehler und noch anderes als nur Hunde zu erziehen. Wir wollen unseren Hunden viel Auslauf gewähren und nicht mit bitterem Ernst durchs Leben gehen.

Wir haben diese Ansichten nicht alle von Anfang an vertreten, sie haben sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Man hat uns auf  Fehlverhalten oder Missachtung von Gesetzen aufmerksam gemacht, wir haben darüber gelesen, nachgedacht, diskutiert und in mancher Hinsicht unser Verhalten angepasst oder verändert.

Auch unsere Hunde sind passionierte Jäger, was uns viel Aufmerksamkeit und Arbeit am Grundgehorsam abverlangt. Ich würde Lügen, wenn ich behaupten würde, dass wir jede Situation im Griff haben. Aber wir geben unser Bestes und falls es zu Rückschlägen beim Gehorsam kommt, versuchen wir daran zu arbeiten, zukünftig anders zu reagieren oder Konsequenzen daraus zu ziehen.

Wenn wir unsere Hunde nicht glauben kontrollieren zu können, weil wir unaufmerksam oder abgelenkt sind, werden sie angeleint. Dabei bricht sich keiner was ab. Weder die Hunde, noch wir!