Mehrhundehaltung
Wir werden immer wieder gefragt, wie es ist, mit zwei Hunden zu leben.
Eher kompliziert und anstrengend oder ganz einfach?!
Aus unserer Sicht ganz eindeutig: Das kann man so nicht beantworten!
Es gibt Vor- und Nachteile.
Man sollte sich im Vorfeld verschiedene Fragen stellen:
Warum ein zweiter Hund? In welcher Lebenssituation stecke ich gerade (Beruf, Kinder, Geld, Erziehungsstand beim Ersthund)? Tue ich meinem Ersthund einen Gefallen damit? Wie ist mein Ersthund (Rüde oder Hündin, anspruchsvoll, kastriert, Alter, Rasse, Gewicht, Krankheiten, Gehorsam, Sozial/Umweltverträglichkeit!)
Meistens denken die Leute, es wäre leichter mit 2 Hunden, weil der Eine vom Anderen lernt (aber auch Dummheiten), man hätte also weniger zu erziehen und die Hunde wären seltener alleine.
Das könnte natürlich stimmen, wenn ich von 2 gut erzogenen erwachsenen Hunden ausgehe. Muss es aber nicht!!!
Nach 1-2 Jahren macht es vielleicht keinen Unterschied mehr, ob ich mit einem oder drei gut erzogenen Hunden spazieren gehe. Aber an diesen Punkt muss ich erst einmal kommen.
Man sollte die Hunde regelmäßig getrennt voneinander trainieren, damit die Hunde sich auf mich konzentrieren und nicht auf den anderen Hund, mich als Leittier anerkennen und sich unterordnen.
Es könnte sein, dass der Zweithund die geübten Kommandos und Signale überhaupt nicht richtig verknüpft und verstanden hat, sondern einfach nur immer das tut, was der Ersthund tut, weil er sich nur an ihm orientiert und nicht am Hundeführer!
Auch das ganz alleine sein, sollte man üben. Der Ersthund hat das vermutlich schon gelernt, aber der Andere sollte es auch können. Ansonsten könnte es vielleicht auch noch nach vielen Jahren ein böses Erwachen geben.
Das bedeutet schon einen erheblichen Zeitaufwand!!!
Was passiert, wenn die zwei sich nicht mögen??
Man sollte also sorgfältig abwägen. Dann trifft man eine Entscheidung – mit allen Konsequenzen!
Im besten Fall wird es die große Liebe. Ich muss aber auch damit zurechtkommen, wenn die Hunde sich nur dulden.
Auch die Rangordnung werden die Hunde unter sich klären. Vielleicht laut und bühnenreif, vielleicht auch für uns gar nicht bedeutend ersichtlich!
Eine Manipulation durch den Menschen könnte sich negativ auswirken.
Bedenke
Mehrkosten durch:
Futter, Versicherung, Steuer, Hundeschule, Tierarzt
Großer Zeitaufwand:
Getrenntes Training
Bei etwa gleichaltrigen Hunden muss man auch unbedingt daran denken, dass sie zur gleichen Zeit alt werden.
Beispiel: einer hat Diabetes, ist halb blind und taub,
der Andere kann kaum noch laufen und ist inkontinent!
Kann ich das leisten?
Unsere persönliche Erfahrung
Objektiv betrachtet muss man zugeben, das Lissy (Ersthund, 1,5 Jahre) nicht gerade begeistert von Zora (9Wochen) war.
Sie versuchte sie vergeblich zu ignorieren.
Lissy war ruhig, anhänglich, eher zurückhaltend, verspielt und gut erzogen.
Zora war wild, ungestüm, ruppig, mutig und sehr selbstbewusst.
Wir wünschten uns natürlich, dass die beiden dicke Freunde werden.
Nach einer Warmwerde- und Kennenlernphase taute Lissy langsam etwas auf.
Sie spielte und raufte mit ihr, aber sie erzog oder maßregelte sie nicht.
Wenn Lissy beim Spielen was nicht passte oder Zora etwas angestellt hatte, kam Lissy zu uns gelaufen und blickte uns hilfesuchend an.
Lissy schaute nur hilflos aus der Wäsche, wenn Zora ihr das Futter oder Spielzeug klaute.
Wir versuchten immer wieder einzugreifen, aber Zora setzte sich durch.
Es passte uns gar nicht, dass sich immer mehr zeigte, dass Zora der ranghöhere Hund war. Ansonsten gingen die beiden immer harmonischer miteinander um und es gab auch keine für uns deutlich sichtbaren Auseinandersetzungen zwischen den beiden.
Lissy stellte einfach Zora`s Position nicht in Frage!!!
Wir hatten immer mehr den Eindruck, dass Lissy gar nicht unglücklich war mit dieser Situation. (Vermutlich nur wir!)
Sie koppelte sich gerne an Zora oder uns an und war froh, dass jemand anderes das Sagen hatte und die Verantwortung trug. (z.B. bei der Begegnung mit anderen Hunden)
Seit wir diese Positionen akzeptiert haben sind wir alle glücklich.
(Das einzige, was wirklich nervt ist, bei Sauwetter mehrfach am Tag 8 Pfötchen abzuwischen!!!!!)
Sie liegen auf einer Decke, lecken und pflegen sich. Man muss sich höchstens Sorgen machen, dass unser Putzerfisch Zora, Lissy kahle Stellen ins Fell leckt!
Es ist unbeschreiblich, den beiden beim Spielen, Raufen und Schmusen zuzusehen und ein Teil dieses „Rudels“ zu sein.
Für uns ist es eine wunderschöne Erfahrung, an und von diesen beiden Hunden zu lernen.
Wir haben zwei Hunde, die sich vielleicht optisch sehr ähnlich sehen, aber charakterlich unterschiedlicher nicht sein könnten.
Lissy
Vornehm, elfenhaft, artig und zurückhaltend
Zora
Wie Grobi aus der Sesamstrasse und in allem was sie tut sehr extrem, beim Spielen wie beim Kuscheln
Aber beide sind auf ihre eigene Art und Weise toll, aufmerksam und sehr gehorsam!
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