Häufige Missverständnisse
Anspringen
Wird meist als Ausdruck von Freude verstanden:
Bedeutet aber: körperliche Ungezogenheit, rempeln, fordern, maßregeln, pöbeln!
Würde man dieses Verhalten bei Mitmenschen tolerieren?
Drohen/Aggression
Drohen und aggressive Kommunikation sind ein wesentlicher Bestandteil der Hundesprache und extrem wichtig um körperliche Aggression und Beschädigungsbisse zu verhindern.
Wird oft aus Unverständnis und Angst schon im Ansatz unterbunden!
Dominanz
Es gibt selbstbewusste und weniger selbstbewusste Hunde.
Hunde definieren sich in Gruppen immer wieder neu und legen eine Rangordnung fest.
Sie sind situativ dominant, verlässt Einer die Gruppe oder kommt ein neuer Hund dazu, muss erneut die Position in der Gruppe geklärt werden. Was auf Hundefreilaufflächen zu beobachten ist, ist Kommunikation/Definition, kein Spiel!
Unsere Haushunde leben in Sozialverbänden (wiederkehrende Begegnungen, Nachbarschaft, Mehrhundehaltung!)
Freilebende Wölfe oder verwilderte Hunde leben in Rudeln!
Diese Lebensstrukturen sind zum Teil vergleichbar, aber nicht identisch!
Alpha- oder Leittiere
Häufig nimmt man an, dass der Hund, der sich in einer Gruppe am auffälligsten dominant verhält das Alpha-/Leittier sei.
Diese Hunde sind aber meist nur „pubertäre Proleten mit hochgekrempelten Ärmeln“, die es mal wissen und krachen lassen wollen.
Ein Alphatier verhält sich meist sehr zurückhaltend und hat es gar nicht nötig seine Stellung zur Schau zu tragen. Er lässt sogar die Proleten gewähren.
Die rangniedrigeren Tiere bestärken immer wieder die Position des Leittieres und stabilisieren somit die Rangordnung, von unten nach oben.
Eine stabile Rangordnung baut sich durch Unterwürfigkeit und Unterordnung von unten nach oben auf und nicht durch Druck und Aggression von oben nach unten.
Leittiere sind überlebenswichtig für ein Rudel. Sie bestimmen das Tempo, den Weg, das Ziel und die Verteilung der Ressourcen (Liegeplätze, Sozialkontakte, Fortpflanzung, Futter usw.).
Jagdverhalten
Jagdverhalten ist kein vorsätzliches Verhalten. Der Hund hat keine andere Wahl als die Reize (Bewegungs- oder Geruchsreize) zu beantworten. Es macht also keinen Sinn, den Hund im Anschluss dafür zu bestrafen.
Strafe in der Erziehung
Oft wird Strafe gedanklich mit Härte und Gewalt verwechselt. Diese Begriffe haben allerdings in der Erziehung nichts zu suchen. Trotzdem kann man nicht ausschließlich mit „positiver Verstärkung“ arbeiten. Ein „Nein“, muss wie ein „Nein“ klingen, aussehen und zur Not auch Konsequenzen haben.
Beispiel: Wenn ein Kind mit einer Münze an Deinem Autolack herumkratzt!
Würdest Du es mit ignorieren versuchen, in der Hoffnung das es von alleine aufhört??? - Wohl kaum!
Also ich habe an dieser Stelle ganz eindeutige Abbruchsignale vor Augen!!!
Es muss eindeutige Abbruchsignale für den Hund geben. Ein halbherziges „Nein“, wird immer wieder in Frage gestellt und vermittelt dem Hund nur, dass er es in 5Min. noch einmal Mal probiert und dann halt etwas hartnäckiger und penetranter. Man kann gewisse Dinge mit einem Nein ganz einfach dauerhaft unterbinden, oder ein ganzes Hundeleben lang immer wieder ausdiskutieren.
Feste Fütterungszeiten
Hunde benötigen keine festen Fütterungszeiten.
Wir projizieren unsere Empfindungen, wenn wir 6-7 Std. keine Nahrung zu uns genommen haben auf den Hund, der Hund ist aber kein Mensch!
Hier ist mal wieder der Vergleich zum Wolf angebracht. Hunde und Wölfe können Unmengen auf einmal Fressen (der Magen ist extrem dehnbar), weil sie ja nicht wissen, wann die nächste Mahlzeit wieder vorbeigehoppelt kommt.
Unsere Hunde dürfen aber keine riesigen Mengen mehr fressen, weil es keine Futterengpässe, Hungersnöte, zu harte Winter oder Lebensbedingungen mehr für sie gibt.
Sie könnten diese Kalorienberge gar nicht verbrauchen undverstoffwechseln.
Straßenhunde zeigen dieses Fressverhalten (ähnlich wie Wölfe), weil sie es tatsächlich brauchen oder gebraucht haben zum Überleben. Im Überfluss wird sich der Bauch vollgeschlagen, an schlechten Tagen wird gedarbt. Dafür sind Hunde und Wölfe von der Natur ausgestattet worden.
Unsere Haushunde brauchen das nicht mehr, man hat nur vergessen es ihnen (und vielen Besitzern) zu sagen! Wir teilen ihnen ihre Rationen ein.
Für uns Menschen können feste Fütterungszeiten im Alltag natürlich sehr praktisch sein. Feste Fütterungszeiten, bringen auch relativ berechenbare "Kackzeiten" mit sich!!
Mehrhundehaltung
Viele Menschen denken, dass man weniger zu erziehen hätte, wenn man zwei Hunde hat.
Im Gegenteil! Je nach Alter und Vergangenheit der Hunde hat man erstmal alle Hände voll zu tun.
Die Hunde sollten regelmäßig getrennt voneinander trainiert werden, um absolut sicherzugehen, dass jeder einzelne die Kommandos versteht und mich als Leittier anerkennt.
Das Alleine bleiben muss (auch getrennt) geübt werden.
Was alles in allem erstmal einen großen Zeitaufwand zur Folge hat.
Der Zweithund lernt auch nicht ausschließlich die guten Manieren des Ersthundes!
Zu zweit, werden auch schnell mal neue, bisher unbekannte Unarten ausprobiert.
Auch wenn der Ersthund z. B. bisher nicht viel vom Jagen oder Bellen hielt, könnte es dem Zweithund durchaus gelingen, ihn voller Begeisterung mitzureißen.
Es ist doppelt so schwer zwei Hunde vom Jagen abzuhalten, als nur einen!!
Es kann wunderschön sein, zwei Hunde zu haben, muss es aber nicht!!!
Gourmets
Hunde kommen nicht als wählerische Esser zur Welt. Wir machen sie dazu.
Bei diesem Thema werden gerne menschliche Maßstäbe angesetzt.
Überschrittene Verfallsdaten sind kein Problem. Wölfe und Hunde haben eine ätzendere Magensäure als der Mensch!
Weil wir gerne Abwechslung beim Essen haben, möchten wir unseren Hunden auch etwas Gutes tun.
Diese Empfindungen werden natürlich gnadenlos von den Medien und Futtermittelherstellern aufgegriffen und ausgenutzt.
Wir wollen nur das Beste für unsere Lieben und sind somit, sehr empfänglich für Werbung und andere Manipulationen.
Fehlverhalten vs. Verhaltensstörungen
Fehlverhalten bedeutet unerwünschtes Verhalten
Verhaltensstörungen sind unnatürliche, krankhafte Verhaltensmuster
Wenn ich mir einen Terrier zulege, sollte mir bewusst sein, dass diese Hunde eine „lockere Kehle“ haben.
Bei einem Herdenschutzhund muss ich demnach mit einem ausgeprägten Schutzinstinkt klarkommen.
Jagdhunde zeigen diesbezüglich rassetypische Verhaltensweisen.
Diese Verhaltensweisen sind also normal!
Wenn diese Eigenschaften nicht in meinen Alltag passen oder mich überfordern, habe ich womöglich nicht den richtigen Hund für mich ausgesucht.
Diese Verhaltensmuster wurden Jahrhunderte lang in diese Rassen hineingezüchtet!! Sie sind also normal!!
Vielleicht unerwünscht aber normal!!
Man kann natürlich an dem ein oder anderen „Problem“ arbeiten, mit manchen Dingen muss man sich allerdings abfinden, wenn man seinen Hund nicht „verbiegen“ möchte!
Deshalb sollte man sich seinen zukünftigen Hund immer nach den Eigenschaften auswählen, nicht nach dem Aussehen!!
Wirkliche Verhaltensstörungen sind vergleichsweise sehr selten. Es zeigen sich stereotype oder krankhafte Muster, in denen der Hund nicht Hund sein kann!
Manipulation
Am Ende eines Tages sollte man sich einmal die Frage stellen: „Wer manipuliert wen, wie oft?“ und ehrlich beantworten!
Wie oft schaut mein Hund mich an und wird dann gestreichelt.
Wie oft stubst mein Hund mich an und wird bespaßt.
Wie oft schaut mein Hund mich an und bekommt Futter.
Wie oft reagiere ich auf sein Quengeln oder Unruhe.
Wie oft reagiere ich auf sein drängen vor dem Spaziergang!
Buhlt er um meine Gunst oder ich um seine?
Es bringt überhaupt nichts sich zu belügen!
Wenn der Hund mich öfter beeinflusst als ich ihn, kann ich nicht ranghöher und schon gar kein Leit- oder Alphatier sein!
.